Ich verreise allein!

Seit einigen Monaten bin ich – mal wieder – Single. Das und der Umstand von einigen Wochen Resturlaub führen dazu, dass ich gerade einmal sieben Wochen nach dem Sommerurlaub noch einmal zehn Tage der Arbeit fernbleiben kann.

In der Heimat stehen noch zwei große Events an: 50 Jahre WIR, die goldene Hochzeit meiner Großeltern und das Erntedankfest in unserer Kirche. Dazwischen liegt genau eine Woche. Ich hatte die Wahl: entweder langweile ich mich in dieser Zeit auf der elterlichen Couch und penne jeden Tag bis 12 oder ich mache eine Reise – ganz allein!

Seit ich wieder in der Welt der Arbeitenden angekommen bin habe ich häufiger den Anspruch, dass der Urlaub auch richtig genutzt wird. Ich will was erleben in der freien Zeit, die ich nicht im Sauerland verbringen muss. Allein auf der Couch hocke ich im Alltag schließlich genug rum. Da es meine erste Reise ganz allein werden soll, wollte ich mich lieber auf bekanntes Terrain begeben. Blieb für den Moment nicht ganz so viel Auswahl: Schottland oder Sylt. Eine Insel sollte es sein, keine Frage.

Tagelang durchforstete ich die Buchungsportale. Leider war eine fünftägige Reise nach Edinburgh einfach nicht erschwinglich und vier Wochen vor Reisebeginn noch eine annehmbare Ferienwohnung  oder ein Zimmer auf Sylt zu finden gar nicht so einfach. Nach einigen Vergleichen wurde ich fündig. Ein „Ferienzimmer“ in List sollte es sein. Der Preis: unschlagbar für fünf Nächte. Die Kommunikation mit den Gastgebern gestaltete sich schwierig und langsam aber sicher brach in mir Panik aus, dass etwas mit der Buchung nicht stimmte. Doch zehn Tage vor Reisebeginn erhielt ich endlich eine Nachricht – alles gut.

Kommenden Montag breche ich also wieder allein nach Sylt auf, nur dieses Mal warten meine drei Lieben nicht auf dem Campingplatz auf mich, sondern ich bleibe auch auf der Insel allein. Pläne habe ich genug: Shopping auf der Friedrichstraße und in der Sylter Wohnlust, die Schokoladenmanufaktur besuchen, bei eventuellem Regen das Sylt Aquarium erkunden und unzählige Fotos bei Spaziergängen am Strand machen, Bücher lesen und einfach Sylt genießen. Die ganzen Hotspots die wir bei jedem unserer Sylt-Besuche erkunden dürfen natürlich nicht fehlen, dennoch gibt es auch noch ein oder zwei Plätze, die mir noch vollkommen unbekannt sind – und da will ich hin. Sicher werde ich auch das ein oder andere Fischbrötchen / Eis / Kuchenstück vernaschen.

Für mich wird es in diesem Jahr bereits der dritte Sylt-Aufenthalt. Nach dem wunderschönen Neujahr und unserem Sommerurlaub steht der erste Trip im Herbst an. Ich bin gespannt wie voll die Insel ist und ob das Wetter mir noch einige Sonnenstrahlen schenken wird. Außerdem wird es eine ganz neue Erfahrung für mich einen richtigen Urlaub ganz allein zu verbringen.

Stay tuned – vielleicht nehme ich Euch mal mit nach Sylt.

 

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Live aus London – Teil 2

Wie bereits in Teil 1 berichtet, war der Abend für uns noch nicht vorbei. Schon einige Male waren wir am London Eye und den Houses of Parliament gewesen. Doch die Ansicht bei Nacht fehlte uns noch. Also wieder zu Fuß los vom Piccadilly zur Regent Street und rein in einen Bus bis zur Westminster Station. Dort angekommen liefen wir noch eine Weile rum und machten Bilder. Mama musste sich irgendwann auf einem der Betonblöcke hinter dem London Eye niederlassen und warten bis ich alles im Kasten hatte. An diesem ersten Tag hatten wir uns bereits völlig verausgabt und dabei stand der eigentliche Grund unseres Besuches ja erst noch vor der Tür.

Den Samstag begannen wir bereits um 7.30 Uhr – total gerädert. Aber es gibt nichts, was ein echtes british breakfast nicht wieder reparieren könnte. Mal abgesehen davon, dass mein Frühstück innerhalb von 5 Sekunden von der Klimaanlage im Frühstückssalon zu Eis verwandelt worden war und ich gleich mit (im T-Shirt natürlich).

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Samstag, 11. Juni 2016 – der große Tag! Endlich ging es ans eingemachte. Kurz nach halb zehn stiefelten wir Richtung Buckingham Palace beziehungsweise zur Mall.

Exkurs: Am zweiten Juni Wochenende findet traditionell die Geburtstagsparade für die Queen , die eigentlich am 21. April Geburtstag hat, statt. Trooping the Colour nennt sich das dann und da wird alles aufgefahren was geht. Das war also der Grund unseres spontan geplanten Trips: ein Mal die Queen sehen. Für Mama schon das zweite Mal, weil die hatte sich das Spektakel vor Jahren schon mal durch Zufall angesehen – mit niemand geringerem als der besten Freundin (auch bekannt als 50% der dollen Tanten). Dazu kam, dass Her Majesty in diesem Jahr 90igsten feierte. Das konnten und wollten wir uns nicht entgehen lassen. 

An der Mall war bereits die Hölle los. Überall hatten sich unzählige Bobbys postiert und unglaublich viele britische Omis, die keine Mühen gescheut hatten an diesem Tag in London zu sein. Nach einigem hin und her postierten wir uns genau an der Ausfahrt des St. James´s Palace / Clarance House – dem Haus von Prinz Charles und Camilla. Diese fuhren dann auch schon bald das erste Mal an uns vorbei, in Richtung Buckingham Palace. Taktisch klug hatten wir eine Familie mit einigen Kindern vor uns. Die Kids wurden ganz vorn an der Absperrung postiert, denn sie sollten unbedingt die Queen sehen. Über deren Köpfe hatten wir natürlich freie Sicht, außerdem waren sie noch so klein, dass sie weder Kamera noch iPhone in die Höhe hielten. Es war ziemlich kuschlig auf der Ecke, denn hinter uns sowie neben uns drängten die Schaulustigen. Wie gut, dass es nur warm und trocken und nicht übermäßig heiß war. Ab kurz vor elf machten sich die Truppen und die Royal Family dann endlich auf den Weg vom Buckingham Palace zum Horse Guards Parade. In der ersten Kutsche: Kate, Camilla und Harry. Ich bekam glatt Gänsehaut. *seufz*

Die Parade konnten wir natürlich nicht verfolgen (haben wir später bei YouTube nachgeholt). Während die Königin also die Parade abnahm standen wir wie die Sardinen gequetscht auf einem Fleck. Auf den gegenüberliegenden Seiten schien sich die Situation zu entspannen, nicht so auf unserer Ecke. Besonders ätzend wurde die Warterei, als sich ein furchtbares italienisches Paar neben uns drückte. Diese waren – wie ich später einer englischsprachigen Konversion der Frau entnehmen konnte – erst um kurz nach halb elf an der Mall gewesen und haben sich dann tatsächlich beschwert nicht ganz vorn zu stehen und nichts sehen zu können. Ich verteidigte tapfer meinen Platz. Da haben sich über 20 Jahre Shopping in der Vorweihnachtszeit in der Kasseler Innenstadt doch wieder bezahlt gemacht! Wäre doch gelacht… Eine geschlagene Stunde später dann die ganze Schose Retour – wieder Harry, ich wieder am dahinschmelzen. Die Anderen waren natürlich auch ganz nett.

Aufregend! Nachdem alle Truppen durch die Mall zurück gelaufen waren, wurden die Gates geöffnet und alle Zuschauer konnten über die Mall zum Buckingham Palace laufen, um den Fly Past der Royal Air Force zu bewundern. Die königliche Familie verfolgte alles auf dem Balkon des Palastes. Schon einige Mal hatte ich das Spektakel im TV verfolgt und mir schon tausende Bilder angeschaut. Dann kamen die alten Militärmaschinen und es war einfach wahnsinnig beeindruckend!

Unglaublich emotional – Mama war total gerührt. Wieder mal mussten wir feststellen: wir sind einfach im falschen Land geboren und empfanden Nationalstolz für eine Nation, die nicht die unsere ist. Wir sind einfach Fans! Ein hoch auf die britische Monarchie. Nach diesen ganzen Strapazen – ich hatte während der ganzen Zeit nichts getrunken aus Angst mal zur Toilette zu müssen und weil ich nicht an meinen Rucksack kam – gönnten wir uns eine neue Garnitur an Klamotten und eine Teatime in einem Café am Piccadilly. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon vollkommen zerstört.

 

Nach dem ganzen Rumstehen gönnten wir uns eine ausgedehnte Bustour. Einfach mal in einen der roten Doppeldecker eingestiegen und nach Chelsea gefahren. Nicht bedacht hatte ich bei dem Vorschlag das ich im sitzen, bei leichtem Schaukeln sofort einschlafen würde. Eine Stunde später stiegen wir also wieder aus und fuhren mit der U-Bahn vom Parsons Green zurück zur High Street Kensington. Von dort schlugen wir uns wieder zu Fuß durch und zwar zum Kensington Palace. Den hatten wir zuletzt bei meinem ersten London Besuch vor rund 15 Jahren besucht.

Vom Kensington Palace schlenderten (was anderes konnten wir auch nicht mehr) zum Albert Memorial. Ich wollte umbedingt den Gedenkbrunnen für Diana sehen. Dieser befindet sich auf der anderen Seite des Flusses und wir brauchten ewig, um dort anzukommen. Nur zu gern hätten wir unsere Füße mal in den Princess Diana Memorial Fountain gehalten, leider hatten wir keine Handtücher dabei – nur unsere kurz nach der Teatime erworbenen A+F T-Shirts. Zwischenzeitlich hatte ich mich noch mit einem Eichhörnchen angefreundet, hatte dann aber schnell Angst es würde mir, alle viere von sich gestreckt, ins Gesicht springen.

Wir schleppten uns regelrecht zur nächsten Bushaltestelle und fuhren zurück ins Hotel. Kleine Verschnaufpause. Aus Gründen, landeten wir an diesem Abend zum Essen bei Pizza Hut. Natürlich in unserer Stamm-Filiale direkt gegenüber der Anzeigetafel des Piccadilly. Anschließend fielen wir nur noch ins Bett.

Der Sonntag begann ebenso früh wie die vorangegangen Tage. Nach dem Frühstück, welches ich an diesem Morgen dick eingemummelt genoss, stand nämlich noch Souvenir-Shopping auf unserem Plan. Wir checkten schon mal aus und machten uns auf den Weg und zwar langsam wie die Schnecken. Das Wetter war an diesem Tag leider auch nicht mehr so prickelnd. Bis zum Trafalgar Square schaffen wir es noch – dort staubten wir noch ein paar Fahnen von der OK! ab. An diesem Tag sollten die Feierlichkeiten zu Ehren der Queen weitergehen – leider ohne uns. Nach der kurzen Shopping-Tour holten wir unseren Koffer und machten uns in strömendem Regen auf den Weg zur Underground am Green Park.

Womit wir wieder am Anfang der Geschichte wären. Auch eine Woche nach unserem super kurzen Trip bin ich noch im royalen London Fieber. Die Stadt ist einfach so unglaublich schön und mit Mama an meiner Seite natürlich noch gleich viel schöner. Das ist einfach unsere Stadt. Wir werden sicher noch einmal zu Trooping the Colour fliegen, jedoch vielleicht nicht gleich im nächsten Jahr. 2011 waren wir übrigens über Ostern dort. Genau 10 Tage vor der Hochzeit von Kate und William. Damals war alles im Hochzeitsfieber, diese Mal war der 90. Geburtstag das Highlight der Briten. Wir haben gern mitgefeiert!

LONDON immer wieder, immer wieder gern! God save the Queen!

Es ist wie nach Hause kommen. 

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Regent Street voll beflaggt.

Live aus London – Teil 1

DSC00518 - Arbeitskopie 2Es ist Sonntagmittag und wir sitzen total durchnässt und mit glühenden Füßen in der U-Bahn Richtung Heathrow Airport. Im strömenden Regen haben wir uns vom Hotel am Piccadilly Circus zum Green Park gequält. In der einen Hand den Koffer, mit der anderen eine Zeitung über den Kopf gehalten. Auf den letzten Metern hat uns das Wetter noch im Stich gelassen.

72 Stunden vorher – Ich sitze im Büro und die Nervosität steigt. Morgen früh gehts endlich los in Richtung London. Viel zu lange sind wir nicht mehr in unserer Lieblings-Stadt gewesen. Fünf Jahre ist der letzte Trip schon her. Dieses Mal soll es ein ganz besonderer Besuch werden. Um fünf ist endlich Feierabend, zuhause packe ich die letzten Sachen zusammen und mache noch ein kleines Nickerchen auf der Couch. Plötzlich ist es schon acht Uhr und Mama steht vor der Tür. Großes Hallo und Klamotten in den Kofferpacken, Nudeln essen (donnerstags Tradition), dann noch eine neue Folge Downton Abby anschauen. Ab ins Bett, denn um halb fünf Klingelt der Wecker. Ich befürchte nicht schlafen zu können.

Freitag, 10. Juni 2016  es ist der 95. Geburtstag des Herzogen von Edinburgh – wir starteten um halb sechs gen Köln-Bonn-Aiport. Wir kamen zügig voran, es war kaum was los auf den Straßen. Einen Parkplatz am Flughafen hatte ich schon vorab gebucht, direkt am Terminal 1. Auto abstellen, Koffer raus und diesen dann auch schnellstens loswerden. Eingecheckt hatten wir schon am Vorabend und nun noch genügend Zeit uns einen Kaffee bei Starbucks zu gönnen… morgens um halb sieben! Super pünktlich startete der Flieger um 7.40 Uhr deutscher Zeit und bereits um 8.10 Uhr britischer Zeit hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen.

Koffer wieder eingesammelt, am Flughafen schnell noch Geld getauscht und die oyster cards aufgeladen und schon sitzen wir in der Underground mit Ziel Green Park. Etwas mehr als eine Stunde später sind wir endlich angekommen. Ich stelle mich auch gleich etwas weniger dusselig an und kenne mich auch wieder aus. 10 Minuten Fußweg zum Hotel in der Jermyne Street und schon hat London uns wieder.

Erstes Ziel der Piccadilly Circus, um mal zu checken ob sich irgendetwas verändert hat. Alles beim Alten. Verwundert war Mama nur über die vielen Helikopter die über der Stadt kreisten.

„Wieso sind hier so viele Helikopter?“ – „Die üben sicher für morgen.“

Von dort fuhren wir zur St. Pauls Cathedral. Diese hatte ich noch nie aus der Nähe gesehen und in der Hoffnung nicht auf zu große Menschenmassen zu stoßen machten wir uns auf den Weg. Weit gefehlt würde ich sagen. Kaum aus der Station raus begegnete uns ein schwer bewaffneter Polizist nach dem andern. Ahnungslos trotten wir um die Cathedral herum und trafen auf die befürchtete Menschenmasse sowie sorgfältig auf den Stufen der Kirche aufgereihte Soldaten und andere Ehrenmänner. Noch immer ohne eine Ahnung was Sache ist platzierten wir uns hinter dem Pulk, um der Dinge zu harren die da kommen sollten.

Die Aussage: „Mama ich glaube da kommt jemand“, nachdem ich ein Polizei-Motorrad vorbeifahren sah, war wohl die Untertreibung des Jahrhunderts. Zwei schwarze Jaguar fuhren vor, drei Menschen steigen aus und den Adleraugen entging nichts: „Mama ich glaub das ist Kate … (kreisch) und Harry!“ In weiteren Autos folgten dann Camilla und Charles sowie die Queen (in zitronengelb) und der Herzog von Edinburgh höchstpersönlich! Wie bereits erwähnt feierte Prinz Philipp an diesem Tag seinen 95., die Masse stimmte Happy Birthday an. Unglaublich!

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Die Queen

Nachdem die Royals in der St. Pauls verschwunden waren löste sich die Masse etwas auf und wir nutzten die Chance, um in Reihe zwei vorzurücken. Denn die logische Schlussfolgerung war: wer reingeht, der muss auch (irgendwann) wieder rauskommen! Also warteten wir zwischen einigen älteren britischen Damen und hinter sämtlichen TV-Teams. Schnell entdecken wir auch einenBekannten aus dem deutschen
Fernsehen: Michael Begasse. Von Beruf Adels-Experte und aus der Ferne beobachtet eine echt seltsame Type. Eine Stunde beobachteten wir das Treiben vor der Cathedral und (welch ein Glück, welch ein Segen) befand sich direkt in unserem Rücken ein Starbucks. Während Mama eine kleine Stärkung auftrieb, verteidigte ich unsere Plätze.

Endlich, endlich verließen Sie die St. Pauls Cathedral … Kreisch-Alarm!

Grade einmal vier Stunden in London und schon hatten wir die komplette königliche Familie gesehen. Dafür waren wir auch schon das erste Mal vollkommen erledigt und durchgeschwitzt. Wir schlenderten Richtung Millennium Bridge, die wir aus einigen Filme kannten, jedoch noch nie live gesehen hatten.

Am Ufer der Themse entlang liefen wir ins Bankenviertel. Ich wollte umbedingt den Royal Exchange sehen, war jedoch etwas enttäuscht davon. Halb verhungert und verdurstet kehrten wir hinter dem Royal Exchange in ein kleines italienisches Restaurant ein und ließen und einen köstlichen Lunch schmecken. Außerdem brauchten wir schon etwas Erholung.

Nach dem Mittagspäuschen fuhren wir zurück zum Piccadilly, erlaubten uns im Tesco express ein paar kleine Süßigkeiten und bezogen anschließend unser Hotelzimmer. Die Füße glühten schon und den Mammut-Akt hatten wir erst am nächsten Tag vor uns. Wo sollte das noch hinführen? Nach einer kurzen Verschnaufpause ging´s zurück auf London`s Straßen. Durch die Burlington Arcade gradewegs ins Abercrombie und Fitch – alte Gewohnheiten lassen sich eben nur schwer ablegen. Anschließend bummelten wir durch einige Geschäfte auf der Regent Street und durch die Carnaby Street.

Nach einem kurzen Ausflug auf die Oxford Street, wo ich einer kleinen süßen Handtasche ein neues Zuhause gab, aßen wir bei einem Italiener zu Abend. Es gab schon wieder Nudeln, die waren einfach so lecker – macht also nichts. Von dort liefen wir weiter nach China-Town. Zurück am Piccadilly gönnte ich mir noch „2 bites for 1 pound“ bei Cinnabon. Für diese Zimtschnecken wäre ich auch noch ewig weit gelaufen!

Unsere Füße wollten nur noch raus aus den Turnschuhen und rein ins Bett. Doch der Abend war noch nicht vorbei. Wie wir auf 17 Kilometer Fußmarsch am ersten Tag in London kamen und wie das Wiedersehen mit der Royal Family lief …. das alles und noch mehr im zweiten Teil von Live aus London 😉

Vom Abenteuer zum Albtraum

Wenn jemand eine Reise tut,
So kann er was verzählen;
Drum nahm ich meinen Stock und Hut,
Und tät das Reisen wählen.

Aus Urians Reise um die Welt von Matthias Claudius, 1740-1815

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Vor zwei Jahren um diese Zeit plante ich eine Reise mit dem VW Bus durch Europa und ein Leben davor sowie danach in Karlsruhe. Ein Jahr sollte das Abenteuer Europa dauern. Viele Geschichten wollte ich schreiben, noch mehr erleben. Schneller, als mir lieb war, zerschlug sich dieser Traum. Zwei Jahre später habe ich mir erlaubt wieder zu Träumen. Weniger groß, aber nicht weniger bedeutend. Nordland-Fahrerin wollte ich werden. Im Wohnmobil hoch und runter durch Skandinavien. Die Mitternachtssonne beobachten und die Weltkugel am Nordkap tausendfach ablichten. Wale beobachten vor den Lofoten und einen Regenschirm am Automaten kaufen in Bergen sowie die 1000 wunderschönen Fjorde bewundern. BOOM!!!

Und dann steh ich wieder da. Steh ganz am Anfang. Ganz genau da, wo ich ja vor einem Jahr schon gestanden habe. Ganz allein. Dabei sollte sich doch jetzt alles mal zum Besseren gewendet haben. Ich fieberte den Abenteuern entgegen – nicht zum ersten Mal hat sich alles zerschlagen. Dieses Mal nicht von heute auf Morgen, sondern schleichend – doch mindestens genauso schlimm wie 2014. Genau wie damals versuche ich mir immer wieder zu sagen: be brave! Sei tapfer! Schwer. Wieder wurden zu viele Pläne gemacht, zu viel vom Leben wie im Spielfilm geträumt. Manches ist einfach zu perfekt, um wahr zu sein und am Ende dann doch mehr Schein als sein.

Zu gern würde ich jetzt wieder flüchten. Die Flucht nach vorn war schon immer die beste Alternative zu allem. Einfach woanders was anderes mit Anderen machen. Problematisch ist das nur, wenn man mittlerweile fast erwachsen ist und dazu noch ausgelernt. Ein Master-Studium fällt wohl gänzlich aus – da sind sich alle einig. Jetzt sitze ich exakt 14 Monate nach Neustart im Sauerland fest, weiß nicht vor und nicht zurück. Ich weiß nur eins: der Traum von Abenteuern rückt immer wieder in weite Ferne.

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Fernweh

Zugegeben, früher machte mir allein sein nichts aus. Doch im Schoße der Familie, im Heimatort, wo man gewollt oder nicht jeden kennt – dort ist man manchmal nur allein. Weit weg, in fremden (Sauer)Ländern – dort ist man schon eher einsam.

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Heutiger Soundtrack: Barfuß am Klavier – AnnenMayKantereit

 

Ein Vierteljahrhundert in Amsterdam

Ich kann es nicht mehr leugnen, obwohl ich es gelegentlich tue und nur zu gerne immer würde… Am letzten Januar Wochenende ist die Geburtstagsfee bei mir vorbeigeschneit und hat mir eine 25 gebracht. Dieser Anlass bot die perfekte Gelegenheit für ein verlängertes Wochenende mit dem Liebsten in Amsterdam. Ich war noch nie da und vom Sauerland aus lässt sich die Stadt in drei Stunden locker erreichen.

Geburtstag

Freitags nach meiner Bescherung – Mama und Papa hatten ihre Geschenke am Wochenende vorher freundlicherweise vorbeigebracht – starteten wir um neun Uhr in Richtung Niederlande. Beim Bäcker noch schnell mit Proviant eingedeckt – wer weiß wann es das nächste Mal was gibt?!

Gemütlich und bei nicht allzu schlechtem Wetter trudelten wir gegen 13 Uhr im Motel One Amsterdam ein. Das Hotel liegt direkt an der Autobahn und ist somit super einfach zu erreichen. Ein Platz in der Tiefgarage war auch noch frei. Dieser wird mit 15 € pro Nacht berechnet. Die Tiefgarage ist nicht allzu groß und man keine Plätze vorreservieren – dies könnte bei höher frequentierten Reisezeiten ein kleines Problem darstellen.

Anreise

Das Empfangspersonal war bei unserer Ankunft super freundlich und hilfsbereit. Da wir ohne Reiseführer unterwegs waren ließen wir und erst einmal einen Stadtplan geben. Außerdem wurde gefragt, ob wir Tipps für einen Restaurant Besuch benötigen. Tipps brauchten wir nicht mehr, aber eine Reservierung – die hatte online nämlich nicht funktioniert. An  meinem Geburtstagsabend wollten wir ausgiebig Sushi essen gehen. Andrea – die nette Dame am Empfang – organisierte uns auch tatsächlich noch einen Tisch für den gleichen Abend. Wahnsinn, denn das Restaurant war eigentlich ausgebucht! Super Service.

Normalerweise ist Check-in erst ab 15 Uhr – wie üblich – doch für uns war bereits ein Zimmer im fünften Stock fertig. Perfekt, um erst mal Koffer und überflüssiges Zeug loszuwerden und sich einzurichten. Danach starteten wir mit der Straßenbahn direkt durch in die Innenstadt. Die S-Bahn Station ist nur 3 Gehminuten vom Hotel entfernt und mit einer der Hauptlinien (Linie 4 fährt durch bis zum Hauptbahnhof und hält auch an vielen wichtigen Punkten auf dem Weg dorthin) auch das perfekte Fortbewegungsmittel. Eine Karte für 48 Stunden – alle Fahrkarten werden nach Stunden abgerechnet – kostest pro Person 12,50 €. Besonderheit: hier muss man nicht nur „stempeln“ beim Einsteigen, sondern auch beim Aussteigen. Ein- und Aus-Checken wird das in Amsterdam genannt.

Erster Eindruck von Amsterdam

Am Freitag sind wir ohne Plan unterwegs gewesen. Ungezwungen wollten wir etwas rumlaufen und uns die Stadt ansehen. So sind wir bei unserer ersten Fahr direkt bis zum Hauptbahnhof durchgefahren und von hieraus zu Fuß weiter. Der Amsterdamer Hauptbahnhof an sich ist schon eine Attraktion. Roter Backstein und eher Schlossähnlich mit einem großen Vorplatz thront der Bahnhof direkt am Wasser. Schnell kundschafteten wir den Weg zum Sushi Restaurant für den Abend aus und liefen dann durch die kleinen Gässchen. Schnell stieg uns der Gerucht – Duft wäre hier irgendwie unpassend – von Haschisch in die Nase. In den unzähligen Coffee-Shops war es unglaublich düster und ich würde eigentlich niemandem empfehlen durch diese kleinen Gassen zu laufen. Irgendwie gruselig dort.

Für mich noch eine Spur gruseliger: Der Vorplatz vom Königspalast (Paleis op de Dam) mit seinen unzähligen Tauben! Diese flogen natürlich noch im Schwarm von links nach rechts und rempelten uns dabei fast noch an – igitti! Auch fiel hier besonders auf wie tief die Flugzeuge über der Innenstadt fliegen. Der Amsterdamer Airport Schiphol liegt sehr nah an der Stadt und ist der Viertgröße Europas – dementsprechend ist auch der Flugverkehr.

Wir liefen ein bisschen durch die Grachten und ruhige Wohngebiete und bewunderten moderne Hausboote. Zwischen durch waren wir auch irgendwie an den Wall – das Rotlicht Viertel – geraten. Die kaum bekleideten Frauen hinter den Fensterscheiben waren doch etwas befremdlich – das brauchte ich nicht noch mal!

Anschließend schlenderten über die Haupteinkaufsstraße zurück zum Hauptbahnhof. Von dort zurück zum Hotel, um ein kurzes Päuschen einzulegen und uns für den Abend umzukleiden. Um sieben ging´s dann zurück in die Innenstadt. Eine halbe Stunde Fahrt muss man vom Motel One zum Hauptbahnhof bei viel Verkehr schon einplanen.

Sumo Sushi

Das Restaurant war dann bis auf den letzten Platz besetzt und ohne Reservierung musste man mindestens 1,5 Stunden auf einen Tisch warten. Dank Andrea hatten wir einen Tisch, der war zwar nicht so sehr schön gelegen (direkt an einer Service Station), aber wir wollen mal nicht meckern. Sumo Sushi bietet „all you can eat“ an und davon haben wir direkt Gebrauch gemacht. Fünf runde haben wir inklusive Nachspeise geschafft und waren dann am Ende unserer Kapazitäten angelangt. Super lecker! Sumo ist eine Kette und meiner Meinung nach für jeden nach Amsterdam- beziehungsweise Niederlande reisenden Sushi-Liebhaber ein MUSS. 28,50 € kostet die „all you can eat“ Variante pro Person. A la Carte ist aber auch möglich!

Samstag

Gute Tage im Hotel beginnen mit einem ausgiebigen Frühstück. Das kann man im Motel One für ca. 10 € hinzu buchen. Das lohn sich wirklich. Denn das Frühstück war super. Kalte und warme Getränke, frisches Obst, Brötchen, Brot und Gebäck. Außerdem alles mögliche an Belag und – ganz wichtig – Nutella.

Unglaublich gesättigt starteten wir verspätet in die Stadt. Denn es goss wie aus Eimern und so erlaubte ich mir noch ein bisschen Fernsehen im Bett. Als der Regen nachließ fuhren wir in die Stadt. Zuerst – mit ein Mal umsteigen – zum Reichsmuseum (Rijksmuseum). Dort steht das I am amsterdam Zeichen. Hat bestimmt jeder schon mal irgendwo gesehen und damit wollte ich natürlich umbedingt ein Foto. Anschließend machten wir uns zu Fuß auf den weiteren Weg und kamen dabei in der Luxus-Einkaufsstraße an. Hier sind sie, all die großen Designer. Ist wie in jeder anderen Stadt auch, außer das die Hauser keine nagelneuen Prachtbauten sind. Einen Stopp machten wir im Apple Store – da gibts free Wifi und jede Menge schöne Dinge zu sehen und anzufassen. Weiter über die Grachten zum Blomenmarkt. Schöne Tulpen, wir nicht anders zu erwarten. In einem der unzähligen Käse-Shops, die sich auf der anderen Straßenseite des Blumenmarktes aneinander reihen kauften wir zwei kleine runde Gauda.

 

Mittags vertilgten wir gemütlich eine Portion traditionelle Pommes. Muss auch mal sein, wenn schon keine Poffertjes zu finden waren. Danach liefen wir  – mit kurzem Zwischenstopp im Apple Store – wieder zurück ins Stadtzentrum. Da kam dann auch endlich mal der blaue Himmel zum Vorschein. Für eine kurze Pause fuhren wir zurück ins Hotel uns suchten über Yelp ein Restaurant für den Abend. Entschieden haben wir uns für das Cannibale Royal (Handboogstraat 17a, 1012 XM Amsterdam). Wer in Amsterdam ist und mega lecker essen möchte solle dort hin gehen! Umbedingt die Rippchen probieren, die sind wahnsinnig gut, auch die Burger sind nicht zu verachten.

Sonntag

Am nächsten Morgen genossen wir noch einmal ausgiebig das Frühstück im Hotel, checkten aus und fuhren in die Stadt. Dort hatten wir noch eine Grachtenfahrt geplant. Für sagenhafte 16,00 € inkl. Audioguide pro Person schipperten wir nicht mal eine Stunde über die verschiedenen Wasserstraßen von Amsterdam. Aus dieser Perspektive ist die Stadt wunderschön und über den Audioguide erfuhren wir noch viele Interessante Dinge, zum Beispiel über die Häuser in Amsterdam. Besser wäre eine Tour gleich am Anfang des Aufenthaltes gewesen, um sich einen Überblick zu verschafften und noch nützliche Infos und Tipps rund um die Stadt aufzuschnappen. Schlechtes Wetter konnte uns bei der Tour auch nichts anhaben, weil das Boot überdacht war.

Das war dann auch die letzte Station in unserem Kurzurlaub. Zurück zum Hotel, Auto abholen und dann ging es zurück Richtung Heimat. Schön wars in Amsterdam. Da will ich auf jeden Fall wieder hin.